Historisches

Geschichte und Geschichten

Varreler Gutspost

Um die Geschichte des Guts und des Vereins darzustellen, eignen sich besonders die ersten beiden Ausgaben der Varreler Gutspost. Sie sind 1980 und 1981 veröffentlicht worden.

Diese beiden Ausgaben sind zur Zeit der Vereinsgründung erschienen. Ausgabe 1 ist noch vom „Arbeitskreis Gut Varrel“ erstellt worden. Die 2. Ausgabe ist bereits ein Kind des „Förderverein Gut Varrel“.

Anzeigen und lesen

Klicken Sie zum vergrößern der einzelnen Ausgaben einfach auf die entsprechenden Bilder der Titelseiten.

Oder klicken Sie auf die folgenden Schaltflächen und Sie bekommen die Texte angezeigt.

Gutspost 1 lesen Gutspost 2 lesen

Festschrift 20 Jahre FöV

20 jähriges Jubiläum

Anlässlich des 20 jährigen Jubiläuns des Fördervereins Gut Varrel e.V., hat der inzwischen leider verstorbene Bernhard Kürschner seine Erlebnisse als Vereinsmitglied zu Papier gebracht. Seine Festschrift steht auch als PDF-Datei zur Verfügung.

Es geschah in der guten alten Zeit, in grauer Vorzeit, vor genau 20 Jahren. Damals hießen die Kids noch Kinder, wurden nach der Schule nicht von Club zu Club gehetzt. Niemand machte sich mit Handys wichtig und das Internet raubte einem nicht die Nachtstunden.

Damals hatte die Nahhus unter Jürgen Hauptvogel gerade die Autobahn quer durch Varrel verhindert, die Bürgergemeinschaft kämpfte mit und gegen Gemeindedirektor Rendigs gegen Straßenausbauten und für Verkehrsberuhigung, ein Spielplatz entstand in Handarbeit in Varrel 1, die Steller Heide wurde zum ersten Male entrümpelt und die jährlichen Feste von Sparclub, TUS und Bürgergemeinschaft waren die erotischen Höhepunkte unseres Nachtlebens.

[…]

Varrel und das Gut

Die Geschichte des Gutes Varrel hat etwas zu tun mit einem Kaiser, einem Herzog, Bremer Erzbischöfen, einem Makler aus Mackenstedt und Oldenburger Grafen.

Kaiser Friedrich I., Barbarossa, hatte einen Lehnsmann, den Sachsenherzog Heinrich den Löwen von Baiern und Sachsen. Heinrich machte mit dem Erzbischof Balduin von Bremen, der zugleich Landesherr von „Heinrichs Gnaden“ war, 1171 einen Vertrag zur Besiedlung von Stuhr. In den Diensten des Erzbischofs und von Heinrich dem Löwen stand der Ritter Friedrich von Mackenstedt, dessen Familie dem so genannten Landadel angehörte.

Gutshaus

Der Vertrag vom 8. August 1171 berechtigte Friedrich von Mackenstedt, den Bruch zwischen Brinkum, Mackenstedt und Huchting nach Hollerrecht zu verkaufen und zu übertragen mit der Verpflichtung, eine Kirche zu errichten. Daraus entstand Stuhr. Friedrich war also der erste Makler von Stuhr.

Als Heinrich der Löwe seinem Lehnsherrn, dem Kaiser Barbarossa die Beistellung von Truppen für dessen Kriege in Italien verweigerte, wurde er kurzerhand 1180 als Herzog abgesetzt.

Damit hatte auch Friedrich von Mackenstedt ein politisches Problem. Er wollte seine Vertragsrechte von 1171 beim neuen Erzbischof Siegfried von Bremen natürlich sichern. Er diente sich dem Erzbischof also mit einer besonderen Leistung an: Er stiftete 1182 das Benediktinerkloster in Heiligenrode. Das war also gut 100 Jahre vor der Gründung Varrels.

Aus der ältesten, bekannten Urkunde vom 27. Oktober 1289 geht hervor, dass Erzbischof Giselbert von Bremen dem Kloster Heiligenrode erlaubt, in den „… wüsten Oertern Stelle und Verlebrinc (Varrel) Neubrüche anzulegen“.

Das war die Geburtsstunde von Varrel!

Auch wenn es nach der Wortauslegung „… wüste Oerter …“ Hinweise auf frühere Besiedlung gibt.

Nach Herzog Heinrichs Sturz kamen die Oldenburger und Delmenhorster Grafen mehr und mehr ins Spiel, auch wenn die Erzbischöfe von Bremen noch lange die Lehnsherrschaft über Stuhr hatten, bis 1531 die oldenburgische Reichsunmittelbarkeit erklärt wurde.

Die Geschichte des Gutes Varrel ist unmittelbar mit dem Kloster Heiligenrode und Graf Otto IV. von Oldenburg verbunden. Der eigentliche Durchbruch, „… in der Einöde, genannt Stelle und Verlebrinc (Varrel) …“ zu siedeln, gelang 1381 mit der Gründung des Klostergutes Varrel, zu der Graf Otto die Erlaubnis erteilte. So entstand unser heutiges Varrel und das Gut Varrel, das weit gehende Privilegien genoss und von Klostermeiern bewirtschaftet wurde.

Die Äbtissin des Klosters hatte noch 1540 durch einen Schutzbrief des Kaisers den materiellen Klosterbesitz bewahren können. 1581 aber nahm Graf Anton I. von Oldenburg Besitz vom Klostergut Varrel durch Enteignung ohne Entschädigung (Säkularisierung). Von da ab war das ehemalige Klostergut ein gräfliches Gut, das von Meiern, Verwaltern, bewirtschaftet wurde.

1606 ließ Graf Anton den Klosterbach (Mühlenbach oder Mühlenbäke; heute Varreler Bäke) aufstauen und eine wasserradbetriebene Kupfermühle bauen.

Gutsscheune
Schleifstein

1655 verkaufte Graf Anton Günther von Oldenburg das Gut an den Kupferschmiedemeister Berndt Pundt „… wegen des in den langwierigen betrübten Kriegswesen erlittenen Schadens und wegen seiner und seines seeligen Vaters dem Hause Oldenburg erwiesenen großen Treue und Dienste …“. Berndt Pundt war also der erste bürgerliche Eigentümer des Gutes Varrel.

1976 kaufte die Gemeinde Stuhr das Gut Varrel von der Witwe Dora Meyer, deren Mann Friedrich als letzter Landwirt auf dem Gut am 23. Februar 1973 verstorben war. Die Gemeinde Stuhr wollte das Gut erhalten, restaurieren und der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen.

In Varrel hatten sich vorher unter der Führung von Heinz Düßmann engagierte Bürger gegen den Verfall und die Ausraubung der Gutsanlage gestemmt. 1978 schlossen sich im Februar die örtlichen Vereine mit ihrem Initiator Gottfried Böttger zu einer Arbeitsgemeinschaft zur Rettung des Gutes zusammen. Daraufhin wurde von der Gemeinde Stuhr 1979 eine besondere Arbeitsgruppe „Gut Varrel“ gebildet, zu der auch Vertreter des sich gerade gründenden Fördervereins „Gut Varrel“ gehörten.

Am 9. Juli 1980 wurde der Förderverein „Gut Varrel“ aus der Taufe gehoben.

Unterstützen Sie uns

Werden Sie Mitglied und im Förderverein Gut Varrel e.V., damit Sie eine attraktive Kultur- und Erholungsstätte in der Gemeinde Stuhr erhalten und attraktiv gehalten werden kann.

Varreler Gutspost - Ausgabe 1

Pfingsten 1980

Die Geschichte des Gutes Varrel beginnt vor fast 600 Jahren, als Graf Otto IV von Oldenburg zu Delmenhorst 1381 dem Kloster Heiligenrode erlaubt, "in der Einöde, genannt Stelle und Verlebrinc (Varrelerbrink) und in den angrenzenden Brüchen und Büschen wo es ihnen förderlich erscheint", Neusiedlungen anzulegen.

Gutspost Ausgabe 2Von den Gutsgebäuden sind heute noch Mühle und Scheune (beide zuletzt 1904 nach einem Brand wieder aufgebaut) und das in seiner Substanz wesentlich ältere Gutshaus erhalten. Durch eine wechselvolle Geschichte die im einzelnen noch darzulegen sein wird, wechselt das Gut vom Kloster Heiligenrode u.a. über zu Graf Anton I von Oldenburg (1581), den Kupferschmiedemeister Berndt Pundt (1655), Hofrat Henrich Hake (1732) an die Familie Johann Dietrich Meyer (1891). Deren Nachkommen und Erben veräußerten das Gut mit angrenzenden Ländereihen schließlich 1976 an die politische Gemeinde Stuhr.

Während Mühle und Scheune noch bis 1980/81 verpachtet sind, wurde das Gutshaus nach dem Auszug der letzten Bewohner immer mehr vom Verfall bedroht. Nach zahlreichen Vorgesprächen und Diskussionen ergriffen schließlich im Februar 1978 die Varreler Vereine die Initiative und bildeten den "Arbeitskreis Gut Varrel", der mit Unterstützung einiger besonders engagierter Bürger, Gemeinderat und Verwaltung, Vorschläge für die Erhaltung und zukünftige Nutzung des Gutes Varrel unterbreitete. Im September 1979 fanden diese Vorschläge schließlich Gehör, und seit der Zeit diskutieren Vertreter des Rates, der Verwaltung und des Arbeitskreises Gut Varrel in einer Planungsgruppe die mögliche zukünftige Nutzung und die zur Erhaltung der Gebäude erforderlichen Maßnahmen. Als erstes konnten zunächst das Dach und die Giebelwände der Scheune erneuert bzw. ausgebesserte werden.

GutshausIm März 1980 begannen fleißige Helfer der Varreler Vereine in freiwilligen Arbeiteinsätzen den weiteren Verfall des Gutshauses zu stoppen und die ursprüngliche Bausubstanz sichtbar zu machen. Als nächstes Ziel wird angestrebt, mit Erlaubnis der Gemeinde Stuhr und Unterstützung interessierter Bürger, die Scheune als Versammlungs- und Sportstätte für Vereine und Öffentlichkeit einer Nutzung zuzuführen.

Mit dem zu Pfingsten am Gut Varrel stattfindenden Konzert der "Musikfreunde der Gemeinschaft Stuhr e.V." mit Spielmanns- Musik- und Fanfarenzug, Sonntag, den 25. Mai 1980 von 10:00 – 12:00 Uhr und dem damit verbundenen Frühschoppen will der Arbeitskreis erstmal mit einer öffentlichen Veranstaltung um tatkräftige Unterstützung und Spenden für diese Ziele bei den Bürgern und den politischen Gremien der Gemeinde werben. Noch im Juni/Juli 1980 ist die Gründung eines gemeinnützigen "Förderverein Gut Varrel e.V." geplant, in dem sich alle interessierten und engagierten Bürger sowie die zur Unterstützung bereiten Vereine, Firmen und anderen Organisationen vereinigen sollen.

Als Informationsmittel dafür wird auch in Zukunft möglicherweise die "Varreler Gutspost" dienen, deren Nummer 1 wir Ihnen hiermit überreichen konnten.

Gutshaus

Für den Inhalt verantwortlich:
Gottfried Böttger, Sprecher des AK Gut Varrel

Herausgeber: Arbeitskreis Gut Varrel
(Bürgergemeinschaft Stuhr e.V, NAHUS, Sparclub Varreler Krug e.V., TC Blauweiß Varrel e.V., TuS Varrel e.V., Arbeiterwohlfahrt Ortsverband Stuhr)

Varreler Gutspost - Ausgabe 2

Pfingsten 1981

Mit großen Schritten eilt der Ort Varrel seiner 700-Jahr-Feier entgegen! Das ist aber erst im Jahre 1989 soweit. Auf der Stuhrer (oder besser der oldenburgischen) Geschichte ergibt sich:

Gutspost Ausgabe 21289 gestattet Erzbischof Giselbert von Bremen dem Kloster Heiligenrode die "wüsten Stätten" zu Stelle und Verlebrink wieder in Kultur zu nehmen (Das Buch von Stuhr, 1966). Man kann daraus schließen, daß Varrel auch schon vorher bewohnt war.

Wie man aus der Geschichte weiter entnehmen kann, werden 92 Jahre später, nämlich 1381, die Rechte vergeben, Neusiedlungen anzulegen. Es ist davon auszugehen, daß daraus das Gut Varrel entstand.

Wir begehen also in diesem Jahr die 600-Jahr-Feier des Gutes Varrel!

Es gab früher auch eine Schankkonzession auf dem Varreler Gut. Sie ist wahrscheinlich vor 250 Jahren erteilt worden. Wenn auch letzte Zweifel bleiben, Grund zum Feiern gibt das in jedem Fall.

Die jüngste Geschichte unseres Gutes beginnt im Jahre 1976. In diesem Jahre hat die Gemeinde Stuhr erstmals große Teile der Ländereien des Gutes erworben. Im Jahre 1978 erfolgt der Ankauf des Restgutes mit den alten Gebäuden, Wohnhaus, Scheune, Wassermühle und Spritzenhaus. Dazu kommen auch der alte Gutspark und die Fischteiche. Die Initiative der Varreler Vereine, die sich im Februar 1978 zu Gutshauseinem "Arbeitskreis Gut Varrel" zusammenschließt, führt zu einer engagierten Arbeit zur Rettung des Gutes Varrel, insbesondere des alten Wohnhauses. Viele Bürger haben sich inzwischen diesem Vorhaben angeschlossen.

Am 9. Juli 1980 ist es dann soweit:
Der "Förderverein Gut Varrel" wird aus der Taufe gehoben. Am 10. Dezember 1980 erfolgt die Eintragung in das Vereinsregister als gemeinnütziger Verein.

Fleißige Mitglieder und Freunde haben seit 1978 in freiwilliger Arbeit am Gut Varrel aufgeräumt und unter anderem das alte Wohnhaus von allen "neuzeitlichen" Anbauten befreit. Was dabei zu Tage gekommen ist, hat selbst die Kritiker überrascht:

Gutshaus"Das Gebäude weist eine Fülle an bauhistorischen und baukonstruktiv interessanten Aussagen auf... ...Durch die vom Förderkreis vorgenommene Freilegung von Außenputz ist ein Gebäude zutage getreten, von dessen Existenz bis dahin nicht ausgegangen werden konnte. Es muß angenommen werden, daß der nunmehr sichtbare Bau (es sind eigentlich mindestens 2 Gebäude) in das 18. Jahrhundert bzw. sogar das 17. Jahrhundert zu datieren ist."
So schreibt der Landesdenkmalpfleger! Er hat praktisch den Denkmalschutz ausgesprochen.

Ein Erfolg vieler Mühe! Das Gut Varrel ist auf dem besten Wege, ein Erholungsraum für alle unsere Bürger zu werden.

Die große Gutsscheune wurde inzwischen von der Gemeinde mit einem völlig neuen Dach versehen. Damit ist ein erster, wesentlicher Beitrag zur Erhaltung des Gebäudes getan. Der Förderverein bemüht sich um eine vertragliche Regelung mit der Gemeinde Stuhr, hierfür die Benutzung zu übernehmen, mit dem satzungsgemäßen Ziel, ...

Die Bemühungen um eine allseits zufriedenstellende vertragliche Regelung sind aus verschiedenen Gründen nicht so einfach. Dennoch gehen wir davon aus, daß demnächst eine Lösung gefunden wird, die den Förderverein nicht in wirtschaftliche Probleme bringt, aber alsbald die Nutzung der Gutsscheune als Mehrzweckhalle ermöglicht. Rund 1/3 der Aufwendungen für den Ausbau trägt der Verein durch Eigenleistungen.

Zum Pfingstfest 1981 wartet der Verein wieder mit einem großen Programm auf dem Gutshof auf. Wir freuen uns über jeden Gast, den wir dort zu dieser Zeit oder an anderen Tagen begrüßen können.

Wir freuen uns auch über jedes neue Mitglied!
Förderverein Gut Varrel

Der Vorstand
Im Mai 1981

Pin It on Pinterest